"Ich bin ein Kämpfer-Typ!"

Alexander Dimitrenko Boxen
Alexander Dimitrenko Boxen
Box-Europameister Alexander Dimitrenko ist ein Kämpfer im Ring und im Leben. Er musste sich schon als kleiner Junge durchkämpfen und schwere Zeiten bestehen. Das hat ihn geprägt und zu einem ungemein sympathischen Menschen werden lassen. Wir sprachen mit ihm über seine Vergangenheit, seine Ziele und warum er sich nie provozieren lässt.
KoM: In welcher Trainingsphase befinden Sie sich momentan?

Alexander Dimitrenko: Ich befinde mich in der Aufbauphase, da mein nächster Kampf für Dezember 2013 geplant ist. Ich werde an einem Turnier vom WBC teilnehmen. Der Sieger hat das Recht um die Weltmeisterschaft zu boxen. Ich halte mich momentan fit und im Oktober beginnt dann die intensive Vorbereitung.

KoM: Nach Ihrem Sieg gegen Ivica Perkovic waren Sie mit sich selbst nicht zufrieden. Warum?

Alexander Dimitrenko: Ich konnte im Ring keine Linie finden. Obwohl ich den Kampf nach Punkten klar gewonnen habe lief es nicht so wie ich es mir  vorgenommen hatte. Aber das ist für ich abgehakt und ich schaue nach vorne, um mich auf die nächsten Aufgaben zu konzentrieren. Man muss optimistisch bleiben und hart trainieren. Da ich momentan kein Management habe ist es nicht einfach für mich. Aber ich gebe nicht auf und kämpfe weiter.

KoM: Sind Sie auch im Privatleben ein Kämpfer?

Alexander Dimitrenko: Ich bin ein Kämpfertyp. Als ich 11 Jahre alt war ist mein Vater gestorben und ich wurde durch die Straße erzogen. Ich musste mich durchkämpfen und bekam nichts geschenkt. Meine Mutter konnte mich nicht unter Kontrolle halten und der Einfluss meiner Freunde war auch nicht gut. Dann habe ich mit dem  Boxen begonnen und viel trainiert. Mit 16 zog ich dann in eine andere Stadt und besuchte ein Sportinternat. Das war keine einfache Zeit. Ich hatte kaum Geld, um mir etwas zum Essen zu kaufen. Ich war damals schon 1,96 Meter groß und hatte ständig Hunger. Ich musste mich im wahrsten Sinne des Wortes durchboxen. Aber ich bin heute froh, diese Zeit erlebt zu haben. Ich schätze heute mehr Leben viel mehr und dankbar dafür, was ich alles erreicht habe.
Diese Zeit hat mich auch härter gemacht. Ich hatte keine warme Jacke und fror ständig. Das hat mich abgehärtet. Ich komme aus einer großen Familie und war der älteste. Aber ich habe mich nie beschwert, sondern alles hingenommen. Meine Mutter sollte sich keine Sorgen machen. Meine Mutter ist für mich heilig. Ich schätze sie sehr. Jeder Mann sollte harte Zeiten erlebt haben, um zu wissen, wo man steht und was man will.
KoM: Hat Boxen Ihr Leben verändert?

Alexander Dimitrenko: Ich hatte eine schlechte Umgebung und Freunde. Viele meiner damaligen Freunde sitzen heute im Gefängnis oder sind drogenabhängig. Das finde ich sehr traurig. Das Boxen hat mich auf einen anderen Weg gebracht. Mein erster Trainer hat mich sehr beeinflusst. Er ist mein Ersatzvater. Er hilft mir viel im Leben.

KoM: Was kann man vom Boxen lernen?

Alexander Dimitrenko: Wenn man im Ring steht, dann weißt du, wie hart du dafür gearbeitet hast. Du denkst an die Zeit im Gym, an schlaflose Nächte. Jeder Muskel tat dir weh, alles schmerzte und dadurch lernst Du das Leben zu schätzen. Boxen lehrt dir Disziplin und Respekt. Ich lasse mich nicht provozieren und gehe jedem Streit aus dem Weg. Man muss sich beherrschen können.

KoM: Wie legen Sie im Ring den Schalter um und laden sich mit Aggression auf?

Alexander Dimitrenko: Aggression ist keine Lösung. Ich stehe unter Adrenalin und will den Kampf unbedingt gewinnen. Aber ich hasse meinen Gegner nicht, sondern wünsche ihm alles Gute. Aber ich will als Sieger aus dem Ring gehen. Danach habe ich mit meinem Gegner kein Problem mehr, selbst wenn ich verliere, schüttle ich ihm die Hand und gratuliere ihm.

KoM: Ihr großes Ziel als Boxer?

Alexander Dimitrenko: Mein Ziel ist es Weltmeister zu werden. Ich muss nicht unbedingt gegen Klitschko boxen. Wenn es so kommt ist das okay für mich. Aber bis es soweit kommt gibt es langwierige und komplizierte Verhandlungen. Wenn ich die Chance bekomme nehme ich sie wahr.

KoM: Was sind Ihre Schwächen und Stärken?

Alexander Dimitrenko: Schwächen sind eine private Sache, über die ich nicht sprechen will. Meine Stärke ist, dass ich niemals aufgebe. Die Erfahrungen, die ich momentan sammle, mich ohne Management durchzusetzen, sind nicht einfach. Aber ich setze mich durch.
Porträt
Vorname:          Alexander    
Nachname:        Dimitrenko    
Gewichtsklasse:  Schwergewicht    
Größe:              201 cm    
Reichweite:       212 cm    
Geburtsdatum:   05.07.1982    
Geburtsort:        Evpatoria, Krim, Ukraine    
Nationalität:         Deutsch    
Wohnort:            Hamburg, Germany    
Familienstand:     verheiratet mit Vanja    
Trainer:             Tommy Brooks    

Derzeitige Titel:            
Frühere Titel:     Europameister (EBU) bis 2011, WBO Interkontinentaler Meister 2005-2008, IBF Juniorenweltmeister im Schwergewicht 2005    
Erlernter Beruf:  Jura-Student    
Hobbies:            Basketball, lesen    
Kampfrekord:      Kämpfe: 34, Gewonnen: 32, KO: 21, Niederlagen: 2, Unentschieden: 0    
Erfolge als
Amateur:           65 Kämpfe, 57 Siege (35 KO´s), Ukrainischer Jugendmeister 1998, Junioren-Weltmeister 2000 im Schwergewicht, Russischer Meister 2001 im Superschwergewicht

Bildquelle: Alexander Dimitrenko

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